Liebe, welch ein großes Wort! Diesen Beitrag widme ich der Liebe, möge sie uns alle finden und unser Herz öffnen und alles verbrennen, was nicht Liebe ist.

„Wenn zwei Menschen sich finden, dann lächeln sie sich an, sie schauen sich in die Seelen, oft bleibt das ein Leben lang.

Wenn zwei Menschen sich treffen, an einem Ort wo man nichts hört und nichts sieht, dann sind es die Gedanken und Vorstellungen, in die man sich verliebt.

Man weiß nichts über das Aussehen, kennt das Lächeln nicht, kennt nicht die Stimme und auch kein Gesicht. Verliebt sich nur in Gedanken.

Dieses Verliebt sein wird spürbar… und der Wunsch wird geboren, ich möchte dich sehen am Abend, am Morgen. Möchte dich riechen und schmecken, möchte deinen Körper mit Zärtlichkeiten bedecken. Möchte bei dir sein, nicht nur an dich denken und verliebt sein nur in Gedanken.

Wenn Menschen sich finden, dann lächeln sie sich an, sie schauen sich in die Seelen, oft bleibt das nicht ein Leben lang! Oft waren es nur die Gedanken und Vorstellungen, die man liebt.“

Auch diesen Text habe ich vor vielen Jahren geschrieben. Wenn ich ihn jetzt lese, bin ich berührt. Er erinnert mich daran, wie ich vor vielen Jahren im Chat, ich bin damals zufällig über das Buch „Mary“ von Ella Kensington darauf gestoßen, viele Menschen kennenlernen durfte, die sich dort auch verliebt haben. Ich habe sehr viel Zeit darin verbracht, hatte ich doch 2 Kinder und war alleine, konnte am Abend nicht weggehen und so freute ich mich immer auf die Zeit, wenn meine Kids im Bett waren, dort mit den Menschen in Kontakt zu treten und mich zu unterhalten. Ich bin dort vielen wundervollen Menschen begegnet und JA, auch ich habe mich dort verliebt 😉. Damals hatte ich keine Webcam, auch kein Skype, es war einfach nur schreiben und Unterhaltung, verliebt sein in die Gedanken und Worte des Anderen.

Es war unglaublich, als ich dort einen Mann kennenlernen durfte, mit dem ich mich so verbunden fühlte, es war für mich wie ein Wunder. Wir konnten uns gegenseitig beschreiben ohne Bilder von uns gesehen zu haben. Es war fast beängstigend, als er meinen Skianzug beschreiben konnte, der schon jahrelang im Kasten hing, weil ich ihn nie mehr benutzt hatte. Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen. Bei dieser Nähe und Verbundenheit schien es fast selbstverständlich zu sein, uns bald persönlich kennenzulernen. Aus diesem Kennenlernen wurde eine langjährige Beziehung. Für mich war es die schönste und tiefgreifendste Erfahrung meines bisherigen Lebens, hatte ich doch das tiefe Gefühl, angekommen und meinem Seelenpartner begegnet zu sein. Es war so ein unglaublich tiefes Gefühl von Liebe da, aber diese Begegnung hat mich auch mit all meinen unerlösten Themen in Verbindung gebracht, allen voran, mit all meinen Ängsten und Urteilen mir selbst und anderen gegenüber. Aus der Gehirnforschung weiß man, dass nach einem halben Jahr der Hormoncocktail, der für die rosa Wolke und das Gefühl im siebenten Himmel angekommen zu sein, nachzulassen beginnt. Bei uns war es nicht so. Wir verstanden uns ohne Worte, konnten uns fühlen, wenn wir nicht beisammen waren. Wir waren sowas von verbunden, so habe ich es zumindest empfunden. Abgesehen von den großen Herausforderungen einer Patchworkfamilie schien alles wunderbar zu sein. Wir liebten uns, ich hatte das Gefühl mit meinem Partner eine Einheit zu sein. Freunde haben uns als Paar beneidet, manche haben uns auch als Vorbild gesehen. Du fragst dich nun sicher, wo ist der Haken? Ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen, weil es doch sehr persönlich ist. Wir sind Menschen, wir alle machen Fehler und aus Angst, Schuld und/oder Scham dehnen wir oft die Wahrheit aus oder verheimlichen etwas sehr Wesentliches. In unserem Fall war so eine Situation der Auslöser dafür, dass die rosa Blase platzte. Ich merkte, wie mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und plötzlich waren sie da, all meine Ängste und meine Urteile und ich fragte mich immer wieder warum? Einer meiner Grundwerte sind Ehrlichkeit und Offenheit in der Beziehung – das war nicht immer so, muss ich gestehen. In der Vergangenheit hatte ich selbst sehr oft die Wahrheit gedehnt oder Wesentliches verheimlicht. Da dies aber genau die Nähe verhindert hatte, nach der ich mich immer gesehnt hatte, habe ich mich nach meiner Scheidung dazu entschieden, es künftig anders zu machen. Nun stand ich da und befand mich erneut konfrontiert mit diesem Thema. Es musste wohl so sein. Vielleicht ist das der Ausgleich zu meinem Leben und den Umständen davor dachte ich, daher hatte ich Mitgefühl und Verständnis für die Situation, meinte ich zumindest zu glauben! Meine Ängste und Urteile wurden aber immer größer und somit auch die Kluft zwischen uns. Die Dynamik, die ich hier beschreibe, hatte ich plötzlich nicht mehr unter Kontrolle. Ich gab 100% und mehr, kämpfte um diese Beziehung und um uns als Familie. Alles in mir flehte und schrie nach: “Bitte liebe mich!“ Ich war wie süchtig und besessen von der Vorstellung, mit diesem Mann alt werden zu wollen. Ich habe nichts unversucht gelassen und verschiedenste Berater und Begleiter im energetischen und psychosozialen Bereich konsultiert, weil ich den Eindruck hatte verrückt zu werden.  Vieles davon hat meinem Ego und Opferbewusstsein gedient, mir aber nicht wirklich geholfen. Ich war in einer Opfer-Täter-Retter-Spirale gefangen und bin zu 100% davon überzeugt, hätte ich nicht die Jahre davor meinen Weg zur Kinesiologie gefunden und vieles davon in dieser Phase für mich nutzen können, wäre ich an mir selbst verzweifelt und gar zerbrochen!

Ich habe mich also intensiv mit dem Thema destruktiver Beziehungen beschäftigt, wollte ich doch unbedingt Antworten finden, die ich von meinem Partner nicht bekam. Irgendwann gelangte ich an den Punkt, da mir klar wurde – STOP!!!! Du verrennst dich da!!!  Es hilft dir nicht weiter, Diagnosen zu erhalten oder dich an eine wundervolle Erinnerung und Hoffnung zu klammern oder die Erklärung und Schuld dafür in seinem oder deinem Familiensystem zu finden.  Der Weg zu dieser Erkenntnis, und das waren Jahre, bedeutete für mich aber auch, dass ich keinen Menschen darin unterstützen kann, möchte und werde, in einer destruktiven Beziehung zu verweilen.  Wir alle haben gelernt, es der Liebe wegen, Anderen recht zu machen und zu gefallen. Wir sagen viel zu oft JA obwohl ein NEIN viel stimmiger wäre.  Das Bedürfnis nach Beziehung und Sicherheit sind Grundbedürfnisse, dafür sind wir schon bereit, einiges in Kauf zu nehmen!?  Ich habe mich oft gefragt, warum ich nicht eine funktionierende, liebevolle Beziehung bzw. glückliche Familie leben kann, wo ich mich doch so danach sehne!? Warum funktioniert es bei den Anderen und bei mir nicht!? Genau das ist der Punkt, es kann funktionieren – aber ist da auch Liebe, Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt und Wertschätzung oder sind es Zweckgemeinschaften und es werden Deals gemacht!? In diesem Sinne bin ich mittlerweile dankbar für den entscheidenden Schritt meines Expartners. Ich bin durch meine eigene Hölle gegangen, habe mich ganz bewusst zurückgezogen, habe mir eine berufliche Auszeit genommen, weil ich wusste, in meiner inneren Verfassung kann und möchte ich niemanden begleiten. Meine Selbstzweifel waren so groß und ich habe mich so geschämt, mit all meinen Ausbildungen und Werkzeugen mal wieder an diesem Punkt gelandet zu sein!  Aber all das war nicht umsonst, dieses Wissen, diese Erfahrung gibt’s in keinem Seminar. Es war ein Geschenk des Lebens an mich – weil ich es kann 😊! Schließlich, so sagt man zumindest, bekommt jeder nur das, was er an Lernaufgabe bewältigen kann.

 

Wichtige Fragen und Erkenntnisse, die ich dir nicht vorenthalten möchte:

Liebst du deinen Partner wirklich? Kannst du mit allem, was ihn ausmacht leben, oder liebst du nur eine Vorstellung, ein Bild, den Gedanken, nicht mehr alleine zu sein?

Deine Wut auf ihn, ist sie nicht auch deine Wut auf dich selbst, weil du es nicht schaffst, Grenzen zu setzen oder dir selbst die Liebe/Annahme zu schenken, die du von ihm erwartest?

Wenn dein Geliebter oder Partner dir verkündet, dass er dich nicht (mehr) liebt – glaube ihm das! Nein, er hat nicht gerade einen Knoten im Kopf oder einen spontanen Gedächtnisverlust! Du musst ihm nicht beweisen, wie liebenswert du bist. Beweise es dir selbst, indem du dich verneigst und gehst.

Wenn dein Partner lieber seine Zeit mit einem/einer anderen Frau/Mann verbringt, ist das nicht schön, es tut weh, aber er setzt damit seine Priorität, die offensichtlich nicht du bist! Sei mutig, sprich es an und triff eine Entscheidung – für dich, denn was sagt es über dich selbst aus, an so einer Beziehung festzuhalten?

Mag sein, dass du dich in eine verheiratete Person verliebst. Dreiecksbeziehungen, so stimulierend sie auch sein mögen, kosten viel Energie und Nerven. Solltest du auch gebunden sein, kannst du mit all den Lügen wirklich leben und auch mit den Konsequenzen, die auf dich zukommen können? Ist es das wert?

Wenn dein Partner dich belügt, wenn er sich emotional und körperlich von dir zurückzieht, frage dich, was dich noch hält! Wo belügst du dich? Wo hast du dich zurückgezogen?  Wut ist eine bindende Energie, warten ist eine bindende Energie, hoffen ist eine bindende Energie, finde für dich eine gute Lösung, lass los, damit du wieder Kraft und freudvoll dein Leben genießen kannst!

Sich aus einer destruktiven Beziehung zu lösen oder diese zu verarbeiten, ist vergleichbar mit einem Drogenentzug. Es tut weh, du fühlst dich leer, alles ist sinnlos und das über Wochen und Monate  hast du dich doch so verausgabt und dein Ziel nicht erreicht! Wenn du einen körperlichen Rückzug deines Partners erlebt hast oder möglicherweise eine Entwertung in diesem Zusammenhang, dann ist dein Selbstwert vermutlich ganz im Keller! Du weißt nicht mehr, ob du ein Mann oder eine Frau bist und leidest zusätzlich an dem Gefühl, vollkommen von dir selbst und deinem Körper abgetrennt/abgeschnitten zu sein, kennst du das?  Erlaube es dir wütend zu sein, erlaube dir zu trauern, fühle deine Leere und gib‘ deinem inneren Kind die Liebe und die Aufmerksamkeit, die du dir so sehr vom Anderen gewünscht hast. Ich weiß selbst wie schwer das ist, es ist viel leichter, einen Anderen zu trösten oder zu lieben, aber du brauchst dich jetzt selbst am meisten. Schon in der Bibel steht: „Liebe deinen nächsten WIE DICH SELBST!“ Denn wenn du DICH liebst, wirst du geliebt. Wenn du vor dir selbst nicht mehr wegläufst, wird dir auch kein Anderer weglaufen. Wenn du dir selbst treu bist, wird dir der Andere treu sein. Stehe zu deinen Werten und verschenke dich nicht an jemanden, der dich und deine Werte nicht zu schätzen weiß. Das Außen, dein Partner ist nur ein Spiegel, in dem du dich selbst erkennen darfst! Ich möchte dir auf keinen Fall die Hoffnung auf die Liebe nehmen, denn ich selbst glaube von ganzem Herzen daran, dass es sehr wohl möglich ist, wenn beide Partner bereit sind, sich ihren Themen schonungslos zuzuwenden, wenn eine ehrliche, respektvolle, wertschätzende und offene Kommunikation möglich ist, wenn keine Spielchen gespielt werden, es die Möglichkeit gibt, einen gemeinsamen Weg zu finden, der zu mehr Nähe führt und wirkliche Liebe gelebt werden kann! Dazu braucht es Mut und immer wieder dein offenes Herz für dich selbst und deinen Partner. Die Liebe findet uns, wenn wir dazu bereit sind!

An der Stelle und zum Abschluss dieses Beitrages möchte ich noch sagen, dass es in unserem Fall kein Happy End gab! Wir haben beide viel über uns selbst gelernt, waren sozusagen Lernpartner. Wir beide durften erfahren, was alles in uns noch nicht Liebe ist, wo wir uns selbst und dem anderen im Weg stehen! Wir haben beide Fehler gemacht und sind uns nichts schuldig geblieben. Wir haben beide unser Bestes gegeben, so gesehen hat sich diese Verbindung erfüllt.

Ich wünsche dir von Herzen alles LIEBE!