„Von der Sucht zu lieben, von der Sucht zu rauchen, von der Sucht zu trinken, von der Sucht zu brauchen, von der Sucht nach Drogen, zu der Sucht zum kaufen, von der Sucht zu spielen und zu essen, um unsere negativen Gefühle zu vergessen! Wir haben Sehn-Sucht! Was bedeutet das? Wohl das Sehnen und Süchtig sein  nach etwas! Also es fehlt was, werden wir nun erkennen und können wir dieses WAS auch beim Namen nennen? Es fehlt uns etwas, diese Suche zu beenden! Aber was ist das? Womit fangen wir an? Vielleicht fangen wir an bei dieser Suche zu erkennen “Liebe dich selbst“ um diese Sucht zu beenden. Trinken bedeutet wohl die Angst zu ertränken, welchen Schmerz will ich versenken? Bei Drogen und Spielsucht,  man glaubt es kaum, flüchtet man in einen anderen Erfahrungsraum. So steht hinter  allem etwas zu lesen, hinter jeder Sucht steht etwas, das gewesen. Vielleicht fängst du nun an zu erkennen, LIEBE DICH SELBST um deine Sucht und Suche zu beenden.“

Dies ist ebenfalls ein Text von mir. Nach meiner Scheidung fiel nicht nur ich ins Bodenlose. Am meisten gelitten haben sicher meine Söhne, vor allem mein Ältester. Mitten in der Pubertät angekommen hat er plötzlich auf Grund der Scheidung erfahren, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater ist. Dies löste in ihm, abgesehen von dem Trennungsschmerz eine große Identitätskrise aus. Ich habe mich nie gescheut, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen, ich habe das nie als Schwäche, sondern ganz im Gegenteil als Stärke empfunden. Mein Sohn hat sich verständlicherweise immer weiter von mir distanziert und es war nicht wirklich jemand in meiner unmittelbaren Nähe, der ihm in dieser Zeit Stütze sein konnte. Beratungen hat er strikt verweigert, er saß schweigend seine Sitzung ab, bis der Therapeut meinte, ich solle mich für eine andere Variante, eventuell eine Familienintensivbetreuung entscheiden. Diese Möglichkeit habe ich sofort in Anspruch genommen und der Betreuer meines Sohnes hatte es tatsächlich geschafft, einen Zugang zu ihm zu finden. Ich war erleichtert. Dieser Betreuer bekam jedoch kurze Zeit später ein sehr gutes berufliches Angebot, das er nutzen wollte, mit der Konsequenz, dass mein Sohn wieder den Halt und das Vertrauen verlor. Wieder hatte er das Gefühl, betrogen worden zu sein. Zu diesem Zeitpunkt, ich erinnere mich noch sehr gut daran, musste ich einmal in unseren Keller und ich war erstaunt, wie in all meinen Blumenkästen, wie ich meinte, Unkraut wucherte. Erst einige Zeit später erfuhr ich, dass dies Cannabispflanzen waren, die nicht zufällig in meinem Keller gedeihten. Mein Sohn bekam in der Folge einen neuen Betreuer zugeteilt. Die Chemie passte aber nicht und die Psychologin, die uns an übergeordneter Stelle betreute, schlug einen erneuten Betreuerwechsel vor. Als ich von meiner Entdeckung auch die Eltern der Freunde meines Sohnes informierte, erntete ich Kommentare wie: „Nein, mein Kind macht sowas bestimmt nicht!“ Ich wurde mit meiner Befürchtung nicht ernstgenommen. Ganz im Gegenteil, die Eltern wollten dieser Tatsache offensichtlich nicht ins Auge blicken. Ich habe bei den wöchentlichen Treffen im Rahmen der Familienintensivbetreuung immer wieder versucht zu erklären, dass ich der Meinung wäre, dass dies eine Einstiegsdroge sei und ich mir große Sorgen machen würde. Mein Sohn war da anderer Meinung mit den Worten: „Warum ist das dann in Holland legal? Warum darf man sich diese Pflanzen ganz legal kaufen und ansetzen, aber nicht rauchen?“ Stimmt, dieses Argument konnte ich nicht wirklich entkräften. „Wir leben nicht in Holland, bei uns ist dies eben nicht legal, sondern strafbar“, waren jene Sätze, die ich damals täglich wie ein Mantra wiederholte. Meine Angst und meine Befürchtungen wurden wahr, es blieb nicht bei hin und wieder mal ein Joint, es kamen Tabletten und harte Drogen dazu. Deshalb entschloss ich mich auch, nach Rücksprache mit der Familienintensivbetreuung, eine Selbstanzeige zu machen. Mein Sohn hatte gerade sein 9. Schuljahr absolviert und ich sah keine andere Lösung, zumal Gespräche und die Aufklärung über rechtliche Folgen und gesundheitliche Auswirkungen nicht den gewünschten Erfolg brachten.

Ich kann mich noch an jenen Tag erinnern, als auf meine Selbstanzeige hin die Konsequenz, meinen Sohn in ein Heim zu bringen, folgte. Wir wurden in der Früh von einer Sozialarbeiterin des Jugendamtes mit einem Dienstwagen abgeholt und in die Steiermark gefahren, wo mein Sohn untergebracht werden sollte und er die Möglichkeit bekam, eine Malerlehre zu beginnen. Während der Fahrt war es still im Auto. Mein Sohn und ich saßen hinten, jeder von uns starrte aus dem Fenster und beide heulten wir. Dort angekommen wurde er auf sein Zimmer gebracht. Ich musste die Formalitäten erledigen und als ich in sein Zimmer ging, um mich von ihm zu verabschieden schrie er: „Verpiss dich, ich will dich nie mehr in meinem Leben sehen!“ Ich schloss die Türe hinter mir und begann wieder zu weinen. Schuld- und Schamgefühle kamen über mich und der Zweifel, ob ich das Richtige getan habe! Ich wollte ihn letztendlich nicht verlieren, sondern ihm lediglich helfen und nun sah es so aus, als ob ich ihn verloren hätte. Ich weinte die ganze Heimreise und war froh, als ich zu Hause ankam, um die Menschen in die Arme schließen zu können, die mir die Kraft gaben weiterzumachen. Meinen zweiten Sohn sowie meinen Partner, der mir in dieser Zeit eine wichtige Stütze war. Für mich war dieser Tag und diese Zeit die Hölle. Für meinen zweiten Sohn und für meinen Partner, war es bestimmt auch nicht einfach! Es vergingen Wochen ohne persönlichen Kontakt zu meinem Sohn. Jedes Mal wenn mein Telefon läutete, habe ich mir gewünscht, seine Stimme zu hören. Wie groß war bei jedem Mal die Enttäuschung, wenn es eben nicht so war. Ich wurde vom Jugendamt am Laufenden gehalten, aber der persönliche Kontakt fehlte mir so sehr.  Eines Tages kam der lang ersehnte Anruf. Wir haben beide am Telefon geweint, aber zurück blieb nach diesem Telefonat das Gefühl, es war richtig so! Hatten wir davor die Verbindung zueinander verloren, so schien es mir jetzt, als wären wir uns wieder nah und es sprach nichts dagegen, dass er künftig an den Wochenenden wieder nach Hause kommen durfte. Nach ca. einem Jahr bekam mein Sohn heftige körperliche Reaktionen, eine massive Neurodermitis, die ihm an den Handflächen offene Wunden bescherte. Ich beschloss erneut, nach Rücksprache mit dem Jungendamt und der Familienintensivbetreuung meinen Sohn nach Hause zu holen unter der Bedingung, eine geeignete andere Lehrstelle vor Ort zu finden. Dies ist uns letztendlich gelungen und mein Sohn hat diese Ausbildung auch tatsächlich abgeschlossen.  Mit 18 Jahren wollte mein Sohn allerdings ausziehen, er hatte eine Wohnung bekommen und wollte sich nun selbst versorgen. Das Thema Drogen hat aber kein Ende gefunden, ganz im Gegenteil. Als er nicht mehr zu Hause wohnte, brach die Sucht in vollem Umfang erneut aus und bei mir alle damit verbundenen Ängste. Ich ging in Beratung von Angehörigen und habe mit allen Mitteln versucht, ihn zu einer Therapie zu bewegen – vergeblich. Ich habe zusehen müssen, wie er seine Arbeit und seine Wohnung verlor, habe mitbekommen wie das Geld, das er bekommen hat, in wenigen Tagen zur Abdeckung der Sucht aufgebraucht war, habe gesehen, wie er abgenommen hatte und nur mehr ein Schatten seiner selbst war und wusste oft einmal Tage lang nicht, wo er untergekommen ist. In der Beratung wurde ich immer wieder darin unterstützt, stark zu bleiben, ihm so wenig Hilfe als möglich zukommen zu lassen, damit er selbst an den Punkt kommen könne, um sich seinen Themen zu stellen. Dieser Prozess dauert inzwischen schon 14 Jahre an. Finanzielle Unterstützung habe ich größtmöglich unterlassen, der persönliche Kontakt war mir aber immer wichtig. Ich wollte ihn nie aus den Augen verlieren, auch wenn ich oft danach Stunden gebraucht habe, mich selbst zu beruhigen.

2016 kam es dann zu einem Zwischenfall. Der Dealer meines Sohnes wurde verhaftet und mein Sohn befand sich in einem Zustand des kalten Entzuges. Meinem jüngeren Sohn und mir gelang es, ihn zu überreden, das Krankenhaus aufzusuchen, damit er in diesem Zustand versorgt und betreut wird. Wir waren ca. 2 Stunden in der Ambulanz mit dem Erfolg, dass kein Platz frei war. Die verschriebene Dosis an Medikamenten, konnte nicht annähernd den Bedarf abdeckte, den er gehabt hätte, um es einigermaßen schmerzfrei, also ohne Entzugserscheinungen, zu überstehen. Ich hatte das Gefühl, meinem Sohn beim Sterben zusehen zu müssen, hatte ich mich doch entschlossen, die Nacht bei ihm zu verbringen, in der ich kein Auge zumachen konnte. Am Tag darauf habe ich bei verschiedenen Einrichtungen angerufen. Die Wartezeiten, die mir angekündigt wurden, haben mein Vertrauen in ein funktionierendes System, was dieses Thema betrifft, gänzlich genommen und ich musste eine andere Lösung bzw. einen Arzt finden, der meinem Sohn sofort helfen konnte, was mir zum Glück gelungen war. Seither bekommt er hochdosierte Medikamente, was zwar nichts anderes als eine Suchtverschiebung ist, mit dem Ziel, diese Medikamente mit der Zeit zu reduzieren. Dieses Unterfangen dauert, je nach Verfassung viele Monate, eine Therapiemaßnahme miteingeschlossen.  Ich glaube an dich, mein Sohn! Ich danke dir für deine Zustimmung, deine/unsere Geschichte öffentlich zu teilen! Ich verneige mich vor dir und vor jedem Menschen, der den Mut findet, sich seinem Suchtthema zu stellen. Ihr heilt damit nicht nur euch selbst, sondern helft damit uns allen!

Ich habe meinen ältesten Sohn gefragt, denn er kennt viele Betroffene, was der Hauptgrund dafür wäre, dass immer mehr Jugendliche zu Drogen greifen. Seine Antwort dazu war, dass es aus allen sozialen Schichten Betroffene gibt. Was fast alle davon gemeinsam haben ist die Tatsache, dass sich Eltern getrennt haben als auch schwierige Familienverhältnisse bestehen, wo Eltern selbst in einem Suchtthema gefangen sind und den Kindern und Jugendlichen nicht die Aufmerksamkeit und Zeit schenken können, die sie brauchen würden. Darüber hinaus ist es durch das Internet sehr einfach, an die verschiedensten Drogen zu kommen und diese zu bestellen. Getarnt als Badesalz oder Löschpapier ist es ein Leichtes, Drogen unterschiedlicher Art bei Eltern problemlos vorbei zu schmuggeln.

Bei diesen Worten dachte ich sofort an unsere Situation, ja es stimmt! Abgesehen von der Tatsache, dass in unserem Fall nicht nur eine Scheidung von statten ging, sondern auch ein kompletter und damit verbundener Identitätsverlust meines Sohnes. Ich war selbst so mit mir und meinen Themen beschäftigt, denn ich war dabei meine Selbstständigkeit aufzubauen, hatte mich in einen wundervollen Mann verliebt und natürlich brauchte mich auch mein zweiter Sohn, der durch die ganzen Umstände viel zu früh mit Themen konfrontiert wurde, die man einem Kind und sich selbst gerne ersparen möchte. Darüber hinaus habe ich in Stresssituationen extrem viele Zigaretten geraucht.

Das Thema Sucht und Drogen ist mittlerweile aber kein Thema mehr, das nur wenige betrifft. Täglich liest oder hört man in den Medien über tragische Vorfälle. Es ist aus meiner Sicht ein gesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft und das in unterschiedlichster Form! Ich denke da z.B. an jene Menschen, die ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind und kaum mehr in der Lage sind, ein normales Gespräch zu führen. Kinder wurden und werden von klein auf mit Computerspielen beschäftigt, sei es am IPad, der X-Box oder dem Nintendo und plötzlich wurde die Spielsucht auch als Krankheit anerkannt und wir wundern uns!? Wie oft hörst du deinem Kind oder Partner aufmerksam zu und ihr unternehmt etwas Sinnvolles gemeinsam, ohne Smartphone? Gehörst du zu den Menschen, die immer auf der Suche nach dem oder der Richtigen sind und nie ankommen? Oder gehörst du zu jenen, die für die LIEBE alles bereit sind zu tun? Gehörst du zu den Menschen, die Ablenkung im Internet suchen und ständig online sind?

Die Sucht hat viele Gesichter, aber eines haben diese unterschiedlichen Stimulanzien gemeinsam. Wir versuchen damit schlechte Gefühle zu verhindern und gute Gefühle zu bekommen – es muss Spaß machen und lustig sein. Der andere Weg durch die unangenehmen Gefühle hindurch, will tunlichst vermieden werden und die Sucht dient uns in diesem Zusammenhang sehr! Dabei verlierst du dich darin meist selbst, zusätzlich auch wertvolle Beziehungen. Das erkennst du leider erst, wenn es meistens zu spät ist!

Was unsere Kinder betrifft, so glaube ich, dass sie uns unsere Worte nicht mehr abnehmen! Wenn wir erklären, ständig am Smartphone zu sein sei ungesund, es selbst aber pausenlos in der Hand zu haben, dann werden uns unsere Kinder nicht mehr ernst nehmen. Solche Kinder werden das Smartphone ebenfalls nicht aus der Hand legen, wir haben es ja so vorgelebt. Wir sind die Vorbilder unserer Kinder, nach denen sie sich orientieren, wir mit all unserem Tun und nicht Tun, sorgen für die Prägungen und Werte unserer Kinder. Lasst uns verantwortungsvoll mit dieser Aufgabe umgehen! Wie schön wäre es doch, uns selbst und unseren Kindern gegenüber, unsere Fehler einzugestehen und wenn NOTWENDIG eine Kurskorrektur vorzunehmen. Es ist nie zu spät! Der beste Zeitpunkt, damit zu beginnen ist JETZT! Schritt für Schritt…