Ich habe in den Einträgen davor versucht, dir einen Einblick zu geben in mein Leben und meine eigene Erfahrung mit den Themen Sucht, emotionaler Abhängigkeit & Co-Abhängigkeit.

Ich glaube es ist wichtig zu verstehen, dass diese Themen eng mit unserem Gesellschaftsprozess verbunden sind und in unterschiedlichsten Formen auftreten können und keiner von uns ist davor gefeit. Dieser Suchtprozess betrifft nicht nur den Süchtigen selbst, sondern sein, oder ein ganzes System – uns alle.  Unter süchtig verstehe ich, ein zwanghaftes Bedürfnis nach einer Substanz oder einem Ereignis außerhalb von dir, dass wichtiger wird als deine innere Klarheit. Konkret bedeutet das, die Sucht spaltet uns ab von unseren Gefühlen, unserer inneren Moral, unserer Wahrnehmung unserer Wahrhaftigkeit, im Grunde von unserem Lebensfluss, wir verlieren uns im nichts und einer unendlichen Leere. Ich habe mich ganz bewusst zurückgezogen und mich intensiv mit mir beschäftigt. Denn ich habe gefühlt, an diesem Punkt meines Lebens möchte ich mich eben nicht mehr ablenken, sondern die Chance nutzen und meine Klarheit zurückgewinnen! Ich war ja in einem Zustand von starker Verwirrung und hatte den Zugang zu mir selbst verloren, ein sehr trostloser Zustand. Dazu war es notwendig, mein gesamtes Leben, meine Einstellungen mein Tun und Denken sowie mein Verhalten zu hinterfragen und zu ändern und eine längere Auszeit zu nehmen.  Mir hat diese Auszeit, dabei geholfen mich wieder zu spüren und das Vertrauen, dass ich verloren hatte, in mir und in das Leben wiederzufinden.

Fragen und Erkenntnisse, die mir geholfen haben und die ich dir nicht vorenthalten möchte:

  1. Erkenne, dass du dich in einer Situation befindest, in der du dich hilflos fühlst! Du musst nicht immer STARK sein! Nimm dich und deine Gefühle an. Da wartet etwas in dir, das liebevoll, annehmend gefühlt werden möchte!
  2. Wie halte ich selbst dieses Problem aufrecht? Dies solltest du unbedingt erforschen, denn nur so kannst du etwas verändern.
  3. Was kann bzw. könnte ich auf Grund der Erkenntnis anders machen?
  4. Suche Hilfe, wenn du sie benötigst! Es gibt Selbsthilfegruppen, wo du dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst.
  5. Wenn du glaubst einen Fehler begangen zu haben – zur Info: Es gibt keine Fehler, nur ein Feedback darüber, dass dies eben nicht funktioniert hat, mach es künftig anders.
  6. Sei dir bewusst darüber, du hast und gibst immer dein BESTES! Hat nicht funktioniert!So what!😉 Verfalle nicht in Selbstablehnung!
  7. Habe den Mut, offen über deine Ängste und Befürchtungen zu sprechen, es tut einfach nur gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.
  8. Entspanne dich und gönne dir immer wieder eine Auszeit. Lass es dir trotz „Herausforderungen“ soweit als möglich gut gehen.
  9. Fragen die mir noch sehr geholfen haben sind: Worin liegt der Sinn in dieser Situation? Mir war es wichtig zu verstehen was da gerade passiert. Wie kam ich dazu, in so einer Situation zu landen – meine Anteile daran, was habe ich damals möglicherweise übersehen? Was könnte das Geschenk dieser Situation sein? Was kann ich daraus lernen? Welche kleinen Schritte, Tag für Tag, kann ich in Richtung Lösung gehen? Sobald ich das Gefühl hatte, ich kann etwas für mich tun, fühlte ich mich nicht mehr so hilflos der Situation ausgeliefert.
  10. Mach Dinge die dir Spaß machen!! Lachen, ist auch in diesem Fall eine gute Medizin!😉
  11. Solltest du an etwas glauben das dich stärkt und führt, ich tue es , könnten folgende Worte hilfreich sein:

„Gott, gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut Dinge zu ändern die ich ändern kann und die Weisheit, dass eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

Ich habe dir ganz bewusst meine Erfahrungen mitgeteilt! Es war für mich in schwierigen Phasen sehr hilfreich zu wissen, nicht alleine so heftigen Herausforderungen ausgeliefert zu sein. Es gibt viele Betroffene und der Austausch hilft oft sehr, einen neuen Blickwinkel oder aber einen hilfreichen Hinweis zu bekommen. Vieles können wir nicht ändern, wir müssen es annehmen und akzeptieren so wie es ist. Wie du aber auf eine Situation reagierst, liegt sehr wohl in deinen Händen. Annahme bedeutet JA zu sagen, ob es dir nun gefällt oder nicht! Es ändert sich ohnehin nichts, durch deinen Widerstand! Ganz im Gegenteil, dieser Widerstand kostet dir so viel Kraft und Energie und damit schadest du dir im Grunde nur selbst!

Oscar Wilde beschreibt dies sehr treffend: „Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen das wir geplant haben, damit wir in das Leben finden, dass auf uns wartet.“

Vielleicht gehen wir ja irgendwann ein paar Schritte gemeinsam?

Ich freue mich auf dich!